G20, du geile Welt

G20, du geile Welt
Rauchfahnen erheben sich
Sieh, da brennt ein Porsche,
nein, ein SUV ist’s, der brennt nicht, das ist der Auspuff
nimm meine Hand
wir stellen uns vor den schwarzen Block
Kampfhähne in Glied und Reih
wird sind frei „G20, du geile Welt“ weiterlesen

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Es war einmal

Es war ein milder Frühsommertag und die Füchsin zog durch den Wald auf der Suche nach ein paar leckeren Pilzen und einer kräftigen Hasenpfote, um sich zu stärken für ihren Wurf, der daheim in der Höhle auf sie wartete, da sah sie unter einer Wurzel ein verwaistes Wolfsjunges hocken. Es war ganz und gar allein und bibberte und zitterte am ganzen Leib. Die Füchsin sah sich um, streckte witternd die Schnauze in die Luft, aber es war niemand in der Nähe. So nahm sie das verlassene Wölfchen vorsichtig ins Maul und trug es zum Fuchsbau. „Sie, was ich gefunden habe“, sagte sie zum alten Fuchs. Der alte Fuchs beäugte das Wolfsjunge und schnupperte daran. „Es scheint ein verwaistes Fuchsjunges zu sein“, sagte er. „Wenn es auch etwas grau geraten ist. Wir werden es bei uns aufnehmen und aufziehen.“

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Djuba

Ich fühle mich wie ein altes Ehepaar. Wie ein uraltes Ehepaar. Als wären wir schon hundert Jahre zusammen, oder tausend oder eine Million. Dabei sind wir erst achtzehn, Djuba, überleg mal. Achtzehn Jahre und das ganze Leben noch vor uns, wenn es gut geht, aber was heißt das schon. Du sagst, du willst unbedingt ein erfülltes Leben und nicht in einem Drehsessel verrotten, vor einer schlecht upgedateten Buchhaltungssoftware, das willst du auf keinen Fall und Geld spielt sowieso keine Rolle, all die Idioten da draußen, die nichts als Geld im Kopf haben, überleg mal, sagst du, was für eine geisteskranke Scheiße das ist. Geld, was ist das schon, du kannst es ja nicht mal mehr anfassen, und es ist nur dazu da, Reiche noch Reicher zu machen, aber glücklich sind sie trotzdem nicht.

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Roruschka und Wolf

Die Männer sind aufs Feld gezogen. Mit den Gewehren, geschultert oder in den Händen. Die Felder sind weiß. Die Wege sind weiß und voller tückischer Löcher, in einem hat Pepe vorige Woche seinen Volvo versenkt, der steht noch immer da draußen, im eisigen Wind, in einer Wasserpfütze mit Eis drauf, das nun gebrochen ist, weil Pepe den Wagen mitten hineingelenkt hat.

„Der war im Suff“, sagen die Leute unten im Dorf. Denn dass Pepe den Wagen versenkt hat, ist ein Ereignis. Eines, über dass es sich zu sprechen lohnt. Sonst lohnt es sich nicht immer zu sprechen und wenn die Hunde bellen, an ihren Leinen zerren und der Wind laut heult und die Kälte in die Häuser kriecht, verstummen die Gespräche, dann wird einer wie der andere schweigsam wie Slavo, der, stiernackig, stirngerunzelt, in seinen Bart schweigt, wenn die anderen wild durcheinanderreden, wenn draußen die Blumen Blüten tragen, in den Wiesen, und die Mädchen schwingende Röcke.

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Blurb

Lexington stand auf der Veranda seiner Nullachtfuffzehnvilla, eine von denen, die sie alle hier hatten und die du entweder nehmen konntest oder es sein lassen, ganz wie du wolltest und rührte in seinem Kakao mit Bittermandelaroma. Es war ein herrlicher Morgen. Fred hing mit dem Hintern in den Ginsterbüschen und suchte seinen zweiten Turnschuh, der ihm irgendwann im Laufe der vorangegangenen Tage bei einem der diversen Komasaufgelage, die sie unter der Woche zu veranstalten pflegten, um damit ihrer anachronistischen Haltung zur Leistungsgesellschaft Ausdruck zu verleihen, abhanden gekommen war. Ein Adidas Airmax oder wie die Dinger hießen, teuer genug, aber Fred hatte sie, so weit Lexington informiert war, unbezahlt mitgehen lassen, was ebenfalls ein Zeichen seiner Verachtung der Leistungsgesellschaft darstellte. Eine Amsel oder ein Spatz flatterte schimpfend aus den Büschen.

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